50-jähriges Bestehen der Stadtkapelle Retz
1967 bis 2017

Wie alles begann…

Das 50-jährige Bestandsjubiläum der Stadtkapelle Retz ist Anlass dafür, um Rückschau zu halten und Erinnerungen wachzurufen. Blickt man in die Zeit vor der Gründung zurück, so stellt man fest, dass es zwar eine gewisse blasmusikalische Tradition gab, welche aber wegen fehlender Ausbildungsmöglichkeiten zum Aussterben verurteilt war. Der private Musikunterricht durch einige Idealisten konnte die Lücken nicht schließen. Vor allem fehlte es aber an Lehrern für das Instrumentarium einer Musikkapelle.

Dem jungen, musikbegeisterten Lehrer Rudolf Neubauer an der damaligen Hauptschule Retz war es ein besonderes Anliegen, die Situation zu verbessern. Das führte im Jahre 1966 zur Gründung der Musikschule, die bekanntlich 2016 ihr 50-Jahr Jubiläum feierte. Damit wurde eine wesentliche Voraussetzung für eine gezielte Instrumentalausbildung geschaffen. Bald fanden sich ausreichend Schüler, sodass zuerst in der Hauptschule ein kleines Schülerorchester entstand. Dieses sollte zur „Keimzelle“ der Stadtkapelle Retz werden. Gleichzeitig mit der Gründung trat die Stadtkapelle mit 32 Musikern dem NÖ Blasmusikverband bei.

Da in dieser Zeit die Kapelle Mandlburger (Bild unten) aus verschiedenen Gründen ihre Tätigkeit einstellen musste, war die junge Stadtkapelle gezwungen, an die Öffentlichkeit zu treten. Im Kreuzgang des Retzer Dominikanerklosters (!) fand die 1. Marschprobe statt.

burschenverein-1920

Katholischer Burschenverein 26. September 1920 (manche Namen ließen sich leider nicht vollständig eruieren)
Stehend von links: Gnam Johann, Seher ?, Glocker Johann, Presler ?, Maresch Josef, Rockenbauer ?, Gerstorfer Karl, Lehninger ?, Bauer Vinzenz, Schnabl Franz, Trausmüller Josef, Böhm Alexander, Lehninger ?, Mandl Franz, Fritz Alois
Sitzend von links: Kainz Josef, Fasching Stephan, Pröglhöf Ferdinand, Graf Johann (mit Stab), Gerstorfer Josef, Gerstorfer Kuno, Wallig Eduard Liegend von links: Hansalek Leopold, Fasching Leopold

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Stehend von links: Maresch Johann, Schmid Leopold, Löscher Leopold, Schnabl Franz, Pressler Franz (mit Stab), Böhm Alexander, Gerstorfer Eduard, Graf Franz
Sitzend von links: Mandlburger Johann, Trausmüller Josef, Dachs Ambros, Seher Johann, Kainz Josef, Seher Leopold
Liegend: Fritz Alois, Rockenbauer Karl

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Die Kapelle Mandlburger im Jahre 1952:
Stehend v. li.: Johann Löscher, Franz Löscher, Hermann Peschka, Franz Mayer, Johann Schönbauer, Leopold Seher, Hermann Schnabl, Johann Leidwein,Leopold Löscher, Ambros Dachs, Rudolf Dachs, Emmerich Mayer, Vinzenz Bauer;
Sitzend v. li.: Johann Gnam, Johann Mandlburger (Kplm.), Franz Schnabl;
Auf dem Boden sitzend von links: Siegfried Marko, Franz Löscher

Die ersten Auftritte

stadtkapelle-juli-1967

Der erste Auftritt erfolgte im Rahmen des „Tages der Blasmusik“. In dunklen Hosen und weißen Hemden mit Krawatte wurden Volks- und Kinderlieder vorgetragen. Man kann sich vorstellen, dass die jungen Musiker das Spielen, Notenlesen und gleichzeitige Marschieren im Gleichschritt vor gehörige Probleme stellte. Doch es gelang.
Da sich das musikalische Leistungsvermögen rasch steigerte, stieg auch die Anzahl der öffentlichen Auftritte bald an. Der Ruf nach einer einheitlichen Kleidung wurde laut. Diese sollte einerseits effektvoll und optisch ansprechend, andererseits aber auch praktisch und vor allem finanzierbar sein.

Die Wahl fiel auf die mittlerweile weit über die Grenzen unserer engeren Heimat bekannte Ulanenuniform. In der Person des Retzer Schneidermeisters Leopold Völker wurde ein ortsansässiger Betrieb mit der Herstellung beauftragt und so konnte die Stadtkapelle bereits im Jahre 1969 erstmals in einheitlicher Kleidung an die Öffentlichkeit treten (siehe Bild oben).

In den ersten Jahren war auch das Finden von geeigneten Proberäumen schwierig. Zu Beginn wurde der jungen Stadtkapelle ein Raum im „Pilgram-Hof“ (Haus Fenth in der Znaimerstraße) zur Verfügung gestellt. Weitere Proberäume fanden sich im (damaligen) Althof, in der Volksschule und im damals neu errichteten Hauptschulgebäude.

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Konzert beim Bezirksweinlesefest 1968 auf dem Retzer Hauptplatz.

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„50er“ Jahrgangstreffen im September 1968
Marsch zur Stadtpfarrkirche

jungblserseminar-1968

Der Kern der Stadtkapelle beim Jungbläserseminar 1968 in Laa/Thaya
1. Reihe von links: Karl Binder, Richard Mühlberger, Ferdinand Schleinzer, Dir. OSR Anton Kornherr, Rudolf Neubauer, Karl Haibl, Josef Szensz, Helmut Böhm; 2. Reihe von links: Herbert Löscher, Walter Pollak, Leopold Kauer, Johann Kauer, Robert Löscher, Roman Beer, Alfred Kurzreiter; 3. Reihe von links: Eduard Donn, Herbert Schmalzbauer, Peter Schnabl, Herbert Neubauer

Einen ersten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte stellte 1970 die Abhaltung des 10. Bezirksmusikfestes in Retz dar. Damit verbunden war auch die Durchführung eines Konzertwertungsspieles und einer Marschmusikbewertung. Während des Festgottesdienstes wurde auch die neue Standarte geweiht.
In der Folge übersiedelte die Kapelle in das neu errichtete Gebäude der Hauptschule, wo wir im Musikzimmer ein geeignetes Probelokal fanden. Die Mitgliederzahl war inzwischen auf 52 Musiker (noch immer ohne Mädchen) gestiegen und der Wunsch nach einem eigenen Musikheim wurde laut. Dieser Plan nahm Ende 1970 konkrete Formen an und im Anschluss an die Jahreshauptversammlung am 28. 3. 1971 konnte der Spatenstich für den Musikheimbau vorgenommen werden. Dieser erfolgte kurioserweise am Anger (an der Stelle des jetzigen Spielplatzes), wo das Gebäude ursprünglich hätte errichtet werden sollen. 1977 fand die Einweihung statt. Das im Jahr 2008 durch einen großzügigen Aus- und Umbau erweiterte Gebäude beherbergte von Beginn an auch die Musikschule. Mit den nun gebotenen Möglichkeiten für eine solide Probenarbeit stieg auch das Leistungsvermögen der jungen Stadtkapelle stetig an. Heute können wir mit Stolz sagen, ausgezeichnete Bedingungen vorzufinden.
Die Aus- und Weiterbildung der jungen Mitglieder in unserem Verein war und ist der Vereinsführung immer ein wichtiges Anliegen. Daher nahmen immer wieder junge Musiker an den in den 60er Jahren vom NÖ Blasmusikverband neu ins Leben gerufenen Jungmusikerseminaren, damals in Laa an der Thaya, teil. Mitglied einer Musikkapelle zu sein, war ursprünglich immer eine Domäne der männlichen Jugend. So wurden erst im Jahre 1978 (!) erstmals Mädchen in die Musikkapelle aufgenommen. Aus heutiger Sicht ist dies eigentlich unvorstellbar, da ohne weibliche Mitglieder der Fortbestand vieler Musikkapellen wahrscheinlich nicht gesichert werden könnte.
Nachdem der Gründungskapellmeister Rudolf Neubauer im Jahre 1980 seine Funktion aus privaten Gründen nicht mehr ausüben konnte, übernahm sein Bruder Herbert Neubauer  die verantwortungsvolle Aufgabe des Kapellmeisters – eine Aufgabe, die er 20 Jahre lang ausgeübt hat. Dem derzeitigen Kapellmeister, Mag. Gerhard Forman, gelang es durch seine berufliche Tätigkeit als Musikschulleiter, den Mitgliederstand auszubauen und die Qualität der Kapelle weiter zu steigern.
Damit setzte sich auch die traditionell gute Zusammenarbeit zwischen Kapelle und Musikschule fort. Die hohe Qualität der Ausbildung von Jugendlichen sichert den Fortbestand unseres Vereines für hoffent-lich noch viele Jahrzehnte
Besonderer Dank gebührt den damals und heute Verantwortlichen in der Stadtgemeinde Retz für Ihre Unterstützung und Ihren Weitblick, sodass wir heuer das 50-Jahr-Jubiläum feiern können.

Stadtkapelle Retz on Tour…

In der 50-jährigen Geschichte der Stadtkapelle gastierten wir nicht nur in allen Landeshauptstädten. Wir begeisterten auch unsere Zuhörer in Tschechien (Znaim, Prag, Liberec), Ungarn (Kiskunhalasz), Liechtenstein (Schaan) und Deutschland (Kleinkrotzenburg, Rötz). Die weiteste Reise führte uns nach Belgien (Namur), wo wir anlässlich einer Österreich-Woche etliche musikalische Auftritte absolvierten.
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